DIE MAKEDONISCHE GESELLSCHAFT

Die makedonische Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts

Die makedonische Gesellschaft war eine traditionelle Gesellschaft an der Schwelle zur Modernisierung. Aufgrund großer Schulden und ausuferndem Wucher lebten die Bauern auf dem Land unter fast unmenschlichen Bedingungen, insbesondere in den çiftlik, den Ländereien der Großgrundbesitzer. In den Berggegenden blühte die Viehzucht. Aber es gab auch eine hohe Emigrationsrate; Händler, professionelle und spezialisierte Handwerker bewegten sich im In- und Ausland des Osmanischen Reiches und erzielten dabei beachtliche Gewinne. Die Kehrseite der Medaille in diesen Berggegenden war die Gesetzlosigkeit. Zahlreiche muslimische und christliche Räuber hielten die Bewohner dieser Gegenden in Angst und Schrecken.

In den Städten unterlag die Gesellschaft schnelleren Veränderungen. Die Bevölkerung zog aufgrund der Unsicherheit auf dem Land in die Stadt, wodurch ein neues Potential an Arbeitskräften entstand. Die Entwicklung der Städte wurde außerdem durch die gleichzeitige Präsenz militärischer Kräfte, europäischer Handelsvertreter und eines vielschichtigen Verwaltungsapparates forciert. Die Eisenbahnlinien gaben der Wirtschaft neuen Wind und wirkten sich günstig auf die Verbreitung neuer Ideen aus. Gleichzeitig wurden mithilfe der Maschinen, die in das Leben der Bewohner Einzug hielten, moderne Bildungseinrichtungen gebaut und Kulturvereine gegründet, während Zeitungen und Zeitschriften die verschiedenen politischen und nationalen Standpunkte unmissverständlich bekannt gaben.

In der Zwischenzeit führte die Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung zur Stärkung verschiedener sozialer Kräfte, während das Elend der Bauern und Arbeiter das soziale Gleichgewicht kippte. Schon bald drehte sich alles um die nationale Auseinandersetzung.

Letzte Aktualisierung: 08/04/2010 10:56